Wirtschaft sorgt sich um Standort - Murmann: „Verkehrswende ja – aber mit Augenmaß!“

„Verkehrswende ja – aber mit Augenmaß!“

Eine Verkehrswende ist erforderlich, das steht außer Frage. Mobilität muss zukunftsorientiert und ganzheitlich über die regionalen Grenzen gedacht, geplant und umgesetzt werden. Der Masterplan „Mobilität KielRegion“ ist dafür die richtige Grundlage.

Gelingen kann die Verkehrswende aber nur dann, wenn Maßnahmen Akzeptanz finden und die konkrete Umsetzung in der richtigen Schrittfolge und unter Abwägung aller betroffenen Interessen erfolgt. Dazu gehören insbesondere auch die Interessen der regionalen Unternehmen, die als Arbeitgeber soziale Verantwortung übernehmen und als Gewerbesteuerzahler kommunale Handlungsspielräume ermöglichen.

 

Hendrik Murmann, Vorsitzender des Unternehmensverbands in Kiel:

„Mit Sorge um den Wirtschaftsstandort verfolgen wir die jüngsten Maßnahmen der Stadt Kiel, die zur Reduzierung des Individualverkehrs mit dem Auto führen sollen. Hier wird oft der zweite vor dem ersten Schritt getan. So wird die dringend nötige Akzeptanz für die dringend nötige Verkehrswende nicht erreicht. Stattdessen wird die Spaltung zwischen Auto- und Radfahrern befeuert. Wir fordern Politik und Verwaltung auf, mit mehr Augenmaß zu agieren und alle Interessen der Stadtgesellschaft zu berücksichtigen!“

 

Der Masterplan „Mobilität KielRegion“: Umsetzung mit Schwächen

Der Masterplan „Mobilität KielRegion“, auf den sich das Rathaus bezieht, nennt vier wesentliche Handlungsfelder mit einer Vielzahl von mehr oder weniger konkreten Handlungsoptionen: „Annähern & Aufsteigen“, „Einsteigen & Umsteigen“, „Informieren & Organisieren“ und „Anfahren & Handeln“. Allerdings gibt er keine Auskunft darüber, in welcher Reihenfolge die Umsetzung dieser Vielzahl von Maßnahmen erfolgen muss, um moderne, umweltfreundliche und allseits akzeptierte Mobilität zu erreichen.

Aus Sicht der Wirtschaft können die vier Handlungsfelder nur abgestimmt umgesetzt werden. Erst wenn verträgliche Verkehrsverlagerung durch Umsetzung von Maßnahmen des Handlungsfelds „Einsteigen und Umsteigen“ möglich ist, können Verkehre verlagert und schließlich verringert werden. Hierzu werden aber zuvor bedarfsgerechte Veränderungen auf den Ausweichrouten benötigt und keine weiteren Verengungen oder gar Sperrungen. Straßensperrungen für den individuellen PKW-Verkehr, wie beispielsweise die angedachte Sperrung der Kiellinie, verdichten unvermeidlich die Ausweichstrecken, solange eine leistungsfähige ÖPNV Anbindung der Umlandgemeinden noch nicht gegeben ist. Dies beweist der tägliche Dauerstau auf der B 76 stadteinwärts mit den bekannten Auswirkungen auf die Luftqualität am Theodor-Heuss-Ring.

Murmann:

Sperrung und Entfernung von Verkehrsinfrastruktur, auch für einzelne Mobilitätsformen, sind unsinnig, soweit nicht für eine gleich leistungsfähige und angemessene Alternative bzw. Ausweichstrecke gesorgt wird. Es muss verkehrstechnisch ein Kollaps in den Straßen rund um die Kiellinie und Umgebung vermieden werden. Durch den unvermeidlichen Alternativverkehr darf kein zweiter Theodor-Heuss-Fall entstehen!“

Bei einer Sperrung der Kiellinie ohne leistungsfähige Anbindung der Gemeinden in den Ämtern Dänischer Wohld, Dänischenhagen und Schwedeneck an den Verkehrsverbund ist in Nord-Süd-Richtung nicht mit einem Verkehrsrückgang zu rechnen. Pendler würden stattdessen auf andere Strecken ausweichen. Der Verkehr würde sich dort mangels Alternativen deutlich verdichten. Wir rufen die Verwaltung auf, hier abgewogen vorzugehen. Die Kiellinie bietet genug Platz für alle Verkehrsteilnehmer. Eine intelligente, einspurige Regelung wäre ein kreativer Ansatz, um allen Interessen gerecht zu werden: Je nach Verkehrsströmen könnte sich die Spur stadtein- oder -auswärts smart ausrichten.

 

Fehlerhafte Kommunikation und fehlender Dialog tragen zur Spaltung bei

Der Masterplan „Mobilität KielRegion“ nennt auch das Handlungsfeld „Informieren und Organisieren“. Die verständlichen Reaktionen von Gewerbetreibenden im Königsweg oder jüngst in Elmschenhagen lassen befürchten, dass der Masterplan nicht in der gebotenen Abstimmung der vier Handlungsfelder umgesetzt wird.

Murmann:

„Es kann zu keiner Akzeptanz führen, wenn ohne jegliche Information und quasi über Nacht vollendete bauliche Tatsachen geschaffen werden. Das ist gerade in der aktuellen Zeit das Gegenteil von „Kiel hilft Kiel“. Ohne Akzeptanz bei Unternehmen, bei deren Mitarbeitenden, deren Zulieferern und nicht zuletzt deren Kundinnen und Kunden kann weder die Mobilitätswende gelingen noch der Wirtschaftsstandort oder die Innenstadt prosperieren.

Der Masterplan „Mobilität KielRegion“ ist eine Chance. Er bietet in vielen Bereichen Handlungsoptionen mit Spielraum bei der Ausgestaltung. Wir rufen die Politik und Verwaltung auf, bei der Ausgestaltung des Spielraums sorgfältig abzuwägen. Die Mobilitätswende muss gemeinsam mit der Wirtschaft erfolgen und darf sich nicht gegen sie richten. Wirtschaft schafft Arbeitsplätze. Wirtschaft sorgt für Wohlstand. Wirtschaft ermöglicht kommunale Gestaltungsmöglichkeiten. Es geht nur gemeinsam!“


UV Kiel Vorsitzender Hendrik Murmann

Ansprechpartnerin für die Medien

Lisa M. Preuß

Leiterin Verbandskommunikation
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